Vessels: Engine Room
Jakob Kolb
Kuratiert von Elisabeth Sonneck
super bien! Berlin, Schwedter Str. 232 , 10435 Berlin-Prenzlauer Berg
In der gläsernen Architektur von super bien! inszeniert Jakob Kolb den Akt des Erinnerns als hermetisch abgeschlossenen Maschinenraum. Eine Installation aus Stahl-Glas-Containern (Vessels), die von organischem Material durchwachsen sind, macht die Mechanik des Erinnerns und Speicherns sichtbar. Die Objekte sind über ein Geflecht aus Audiokabeln vernetzt und ein eigens entwickeltes LED-System visualisiert dabei die akustischen Prozesse im Inneren.
Kern der Arbeit ist ein vernetztes Audiosystem. In einer Source-Performance (Opening) speist Jakob Kolb aus dem Inneren des Glaspavillons Stimme, Textfragmente und Songs live in das System ein. Das Publikum beobachtet diesen metabolischen Prozess von außen: Durch die gläserne Barriere des Raums wird die Verbindung von rigider Stahlarchitektur und organischem Zerfall zum klinischen Exponat. Die Performance setzt auf die akustische Textur des Nachhalls und die räumliche Verteilung des Schalls – eine Soundscape, die das permanente Umschreiben von Vergangenheit physisch erfahrbar macht.
Nach der Performance zirkuliert das live aufgenommene Audio zwischen den skulpturalen Vessel-Paaren über integrierte Mini-Speaker, transformiert sich und zerfällt durch Effektschleifen, ständige Wiederholung und materielle Resonanz.
Die Performance geht über in die ortsspezifische Installation mit Ausstellungsdauer von insg. ca. 6 Wochen.
super bien! Berlin
Durch die gläserne Struktur des Gewächshauses möchte super bien! Berlin den Besucher_innen eine Wahrnehmung ermöglichen, in der Innen und Außen, Intimität und Extrovertiertheit, öffentlicher und künstlerischer Raum untrennbar ineinandergreifen und miteinander diffundieren. Die Ausstellungen sind 24/7 sichtbar. Die visuelle Durchlässigkeit des Raumes bewirkt einen ständigen Austausch zwischen künstlerischer Arbeit und ihrem jeweiligen räumlich-zeitlichen Kontext vor Ort, wie den verschiedenen Jahreszeiten, Licht-und Wetterverhältnissen. Seine instabilen Bedingungen – Transparenz und Kontrollverlust, Öffnung und Beziehung zum sich permanent wandelnden Umfeld, die visuelle Entgrenzung des materiellen Raumes – können zu Metaphern unserer Wahrnehmung und Existenz werden.
Damit wird die nicht planbare Veränderlichkeit von Umständen integraler Bestandteil der Installationen und Veranstaltungen, und wiederholter Besuch entfaltet dieses Potential umsomehr – die Gesamtwahrnehmung konstituiert sich jedesmal neu und anders.
Im super bien! Berlin Gewächshaus werden pro Jahr 5-7 ortsspezifische, eigens hierfür produzierte Installationen von in Berlin lebenden wie auch von internationalen Künstler*innen gezeigt.
Medienübergreifend und mit verschiedensten Materialien werden Fragestellungen zum öffentlichen Raum, zu Natur im Spannungsverhältnis zwischen Technik und Ökologie, zu menschlicher und außermenschlicher Körperlichkeit, Fragilität und Vergänglichkeit in den Fokus genommen, dabei wird der Ausstellungsraum – das Gewächshaus – aktiver Bestandteil der künstlerischen Arbeit.
Gegründet: 2006