Scherben

Body Multiple

Ausstellung | Sa. 30.05.2026 | 19:00

Albrecht Becker, Lucas Odahara, James Gregory Atkinson, Jean-Ulrick Désert

Scherben, Leipziger Straße 61, 10117 Berlin-Mitte

Die Ausstellungseröffnung von Body Multiple zeigt einen umfangreichen Einblick in das Werk des 2002 verstorbenen Künstlers Albrecht Becker. Ein Fokus liegt auf dem Exotistischen in Beckers Werk – das bisher vor allem als Beispiel schwuler (Selbst-)Inszenierung oder als Zeitzeugnis der Verfolgung und Marginalisierung schwuler Männer im Nationalsozialismus und in der Nachkriegszeit präsentiert wurde. Ergänzend zeigt die Ausstellung Arbeiten der Künstler Hervé Joseph Lebrun, Jean-Ulrick Désert, Richard Hawkins und Lucas Odahara.

Geboren 1906 in Sachsen-Anhalt und später in Hamburg lebend, war das Leben Albrecht Beckers von den politischen und gesellschaftlichen Umbrüchen des 20. Jahrhunderts geprägt, einschließlich der Verfolgung während der NS-Zeit, der Veränderungen in der Tattoo-Subkultur nach dem Krieg, und das wachsende Interesse an Performance und Körperkunst. Seine Praxis, in der er über Jahrzehnte hinweg seinen eigenen Körper inszenierte und transformierte, bildet dabei einen wichtigen Bezugspunkt. In oft aufwendig gestalteten Fotos zwischen Selbstinszenierung und Verfremdung erscheinen Identität und Körper als wandelbare, performative Konstruktionen.

Die Arbeiten der zeitgenössischen Künstler in Body Multiple reagieren auf diesen Aspekt und erweitern ihn um eigene queere Perspektiven. Mit seiner Multimedia-Performance NH2K setzt sich Jean-Ulrick Désert mit rassistischen Stereotypen in der deutschen Heimatkultur und im Tourismus auseinander. Richard Hawkins’ Videoarbeiten erweitern die Auseinandersetzung mit Exotik auf andere kulturelle Kontexte sowie auf das Werk von Antonin Artaud und Tatsumi Hijikata. Lucas Odaharas provisorische Faltkonstruktionen aus Papier, betitelte Intervalos, verweisen auf kulturelle Hybridität und flüchtige Identitäten. Hervé Joseph Lebruns Arbeit dagegen stammt aus direkter Zusammenarbeit mit Albrecht Becker nicht lang bevor dessen Todes.

 Die Ausstellungseröffnung am 30. Mai markiert den Auftakt des Project Space Festival 2026. Mit Body Multiple positioniert sich Scherben mit einem generationsübergreifenden Ausstellungsprojekt an der Schnittstelle zwischen kunstinteressierter Öffentlichkeit, Berliner Kunstinstitutionen und freier Szene. Die Ausstellung ist kuratiert von Scherben in Kooperation mit Tabitha Love und Birgit Bosold.

Scherben

Scherben ist ein Ausstellungsraum für zeitgenössische Kunst in Berlin-Mitte, der 2021 von den Künstlern Lorenz Liebig und Tarik Kentouche gegründet wurde. Als Ort, der engen Kontakt zu Künstlern pflegt, fördert Scherben das künstlerische Leben Berlins und trägt zu einem jungen internationalen Kunstdiskurs bei. Das Programm vereint junge, etablierte und historische Positionen über Generationen hinweg.

Die Ausstellungen werden unabhängig und in enger Zusammenarbeit mit den Künstlern entwickelt. Sie präsentieren Interventionen in historisch marginalisierte Kunstbewegungen, zeitgenössische Werke und künstlerische Reaktionen. Mit festen Öffnungszeiten und freiem Eintritt macht Scherben sorgfältig entwickelte Ausstellungen einem vielfältigen Publikum zugänglich. Neben seinem Programm in Berlin kuratiert Scherben auch internationale Ausstellungen und ist als Gast in Galerien und Institutionen vertreten.

Gegründet: 2021

Barrierefreiheit

  • Für gehbehinderte oder auf einen Rollstuhl angewiesene Menschen zugänglich.
  • Behindertengerechtes WC.
  • Für hörgeschädigte und gehörlose Menschen zugänglich.

Sitzgelegenheiten: Fensterbänke auf Sitzhöhe
Altersgruppen:
Für alle Altersgruppen geeignet
Sprachen:
englisch / deutsch
Rollstuhlfahrer:innen | Kinderwagen:
ebenerdig zugänglich
Barrierefreie Toilette:
Ja
Hörgeschädigte | Gehörlose Menschen: 
Geeignet
Blinde Menschen:
Nicht zugänglich