Shredding Layers
Zsofia Samodai
Kuratiert von Magdalena J. Härtelova
, Mehringplatz 20, 10969 Berlin-Kreuzberg
Zsofia Samodais Ausstellung „Shredding Layers“ versammelt Arbeiten der Künstlerin, die sich mit Bürokratie als einer Form stiller Gewalt auseinandersetzen – einer Gewalt, die nicht durch Spektakel, sondern durch Papier, Wiederholung und Verinnerlichung wirkt.
Das Projekt entspringt dem Wunsch, aus angehäuften deutschen Behördenbriefen eine Maske zu formen, wobei die Verwaltung nicht als neutrale Information, sondern als Material betrachtet wird, das sich auftürmt, niederdrückt und die Subjektivität prägt.
Begegnungen in unterschiedlichen Kontexten schärfen diese Perspektive: Die Entdeckung eines vorformulierten Mietvertrags, der in Taiwan beiläufig verkauft wird, entlarvt die Bürokratie als kommerzialisiertes Skript, während die deutsche Verwaltung Ausdauer, Konformität und anhaltende Unsicherheit verlangt. Diese Momente deuten auf die Erkenntnis hin, dass Bürokratie das Leben nicht nur von außen reguliert. Durch die Angst vor Fehlern, Verzögerungen und Fehlklassifizierungen verankert sie sich im Inneren. Die Subjekte lernen, die Institution zu antizipieren und sich im Voraus zu disziplinieren. Die Gewalt liegt in dieser Verankerung: Die Verwaltung wird zu einer mentalen Struktur, die im Körper getragen und reproduziert wird.
Die Ausstellung wird eine Übungsstation zum Thema „Institutionen verkörpern“ beinhalten, die die Besucherinnen durch ihre Erfahrungen mit infrastrukturellen Ausfällen führt, die kollektive Präsenz unmöglich machen, und Wege imaginiert, wie man institutionelle Dysfunktionen buchstäblich bekämpfen kann. Bei der Eröffnung werden mehrere Künstlerinnen, Wissenschaftlerinnen und soziale Organisatorinnen ihre Vorschläge für Druckpunkte gegen unterdrückerische Infrastrukturen vorstellen.
Mehringplatz 20
Mehringplatz 20 ist eine Schlafzimmergalerie, die künstlerische und para-künstlerische Praktiken präsentiert, welche andere gesellschaftliche Ordnungen vorschlagen als jene, in denen wir derzeit leben. Die Installationen verschmelzen mit dem Wohnraum des Kurators, der gleichzeitig als Reinigungskraft, Wachmann und Programmdirektor des Mehringplatz 20 fungiert. Während der Ausstellungszeiten können Besucher dienstags zwischen 15 und 17 Uhr ohne vorherige Anmeldung vorbeikommen. Der Raum beherbergt zudem eine kleine Bibliothek mit Büchern, Zines, Werkzeugen, audiovisueller Ausrüstung, Kontakten und Saaten. Zu den vergangenen Ausstellungen gehörten: Cassie Thorntons Installation über Weißsein und die destabilisierenden Annehmlichkeiten der westlichen Welt mit dem Titel „White Hole: A Mythical Celestial Body“; Alicja Rogalskas „Feast“, ein Rollenspiel über die Welt nach dem Ende der Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen; Bea Xus Science-Fiction-Gerät für Telepathie unter Verwendung von Menstruationsblut namens „Plastic Lattice“; oder Amy Balkins „People’s Archive of Sinking and Melting“.
Gegründet: 2020