(((resonant theory)))
Baal & Mortimer, FRANKIE
diffrakt, Crellestraße 22, 10827 Berlin-Schöneberg
Die Theorie hält gerne an Dingen fest. Auch wenn sie oft abstrakt und losgelöst von Körpern und weltlichen Angelegenheiten erscheint, scheint ihre Flucht vor dem Chaos und Schmutz des Alltags Teil eines Verlangens nach Begriffen zu sein, die die sich ständig wandelnden, vergänglichen Formen der uns umgebenden Welt überdauern. Im Gegensatz dazu wurde die Kunst der Musik oft als Anti-Theorie dargestellt, als ein flüchtiges Spiel mit „Empfindungen ohne Begriffe“, das uns laut Immanuel Kant „nichts zum Nachdenken lässt“.
Doch was geschieht, wenn wir Theorie durch Musik betreiben? Was, wenn wir zulassen, dass Theorie mit Affekten und Empfindungen in Resonanz tritt? Vielleicht gelingt es uns dann wieder, den Fokus weniger auf Ergebnisse als vielmehr auf Prozesse zu richten und sowohl das Erinnern als auch das Vergessen als Teil eines neuen (konzeptuellen) mnemonischen Realismus anzunehmen.
In ihrer musikalischen Arbeit haben sich die Musikerin, Choreografin und Philosophin Franziska Aigner (FRANKIE) sowie die Komponistin, Produzentin, Instrumentalistin, Sängerin und Performerin Alexandra Gruebler (Baal & Mortimer) beide mit Fragen des Gedächtnisses, des Verlusts und der Trauer auseinandergesetzt. Als Beitrag zum diesjährigen Project Space Festival werden sie einige ihrer jüngsten Werke aufführen und ein Gespräch über Musik, Theorie und die Überwindung eines drohenden Gefühls normativer Reinheit führen.
diffrakt
diffrakt | zentrum für theoretische peripherie ist ein vom gleichnamigen Kollektiv organisierter Raum mit Programm an der Schnittstelle von Theorie, Kunst, Literatur und Wissenschaft. Im Jahr 2017 übernahm diffrakt die alten Räumen des Merve Verlags in Berlin-Schöneberg und kuratiert seitdem regelmäßig Veranstaltungen in unterschiedlichen Formen und Formaten, etwa Gespräche, Workshops, Lese- und Arbeitsgruppen, Filmscreenings, Performances oder Ausstellungen. Neben den aus dem Kollektiv organisierten Veranstaltungen bilden Impulse aus dem Umfeld und Kooperationen mit anderen Initiativen, Gruppen und Einzelpersonen einen wichtigen Teil der Arbeit. Alle Veranstaltungen sind offen, möglichst barrierearm und kostenfrei zugänglich.
Gegründet: 2017